FireFox PlugIn - Binnen I be gone

  • Ich muß insoferne nichts dazuschreiben, als ich mich an die offizielle Spezifikation der deutschen Sprache halte.


    Das machst du?

    Man möge mir verzeihen (solltest du dich dadurch gekränkt fühlen), aber mich erinnert das an einen gewissen Höllenschlumpf, der sich für einen "Hardliner der deutschen Sprache" (allein den Anglizismus in der Aussage find ich ja schon super :) ) hielt ;).

    Let us be thankful we have commerce. Buy more. Buy more now. Buy. And be happy.

  • Jeder kann Fehler aus Unachtsamkeit machen. Aber absichtlich welche machen ist halt schon seltsam.

    In einen FBO rendern ist wie eine Schachtel Pralinen - man weiß nie, was man kriegt.

  • Zitat von [fl]Quel`Tos;513361


    Man möge mir verzeihen (solltest du dich dadurch gekränkt fühlen), aber mich erinnert das an einen gewissen Höllenschlumpf, der sich für einen "Hardliner der deutschen Sprache" (allein den Anglizismus in der Aussage find ich ja schon super :) ) hielt ;).

    Seine Strategie war aber eine andere: er hat einfach diejenigen, deren Postings er nicht verstanden hat, und diejenigen, die seine Postings sachlich kritisiert haben, zum "Deutsch lernen" aufgefordert, um nicht argumentieren zu müssen.

    Dabei handelte es sich allerdings nicht um Diskussionen über Sprache. Wenn man über Sprache diskutiert, halte ich es nicht für verwerflich, auch Argumente der Sprache einzubringen (solange dies nicht zusammenhanglos und/oder beleidigend geschieht).

  • Jeder kann Fehler aus Unachtsamkeit machen. Aber absichtlich welche machen ist halt schon seltsam.


    Ich will jetzt wirklich keine Haare spalten, aber all die 'ß' statt der 'ss' waren doch wohl keine Unachtsamkeit.
    Ich will ja auch überhaupt nicht sagen, dass die node nicht fälschlicherweise die mittlerweile in die Jahre gekommene alte Schreibweise verwenden darf, ganz im Gegenteil. Aber auf Einhaltung geltender Rechtschreibregeln zu pochen und dann aber scheinbar willentlich eine nicht mehr gültige Schreibung zu verwenden macht auf mich irgendwie den Eindruck, als wolle mir irgendetwas in der Posterin sagen, dass es gute und böse Abweichungen der Rechtschreibnorm gibt und die Festlegung wird halt nach eigenem Empfinden gemacht.

    Seine Strategie war aber eine andere: er hat einfach diejenigen, deren Postings er nicht verstanden hat, und diejenigen, die seine Postings sachlich kritisiert haben, zum "Deutsch lernen" aufgefordert, um nicht argumentieren zu müssen.


    Stimmt.

    Dabei handelte es sich allerdings nicht um Diskussionen über Sprache.


    Ich dachte mich genau daran zu erinnern - hab ich mich wohl getäuscht.

    Wenn man über Sprache diskutiert, halte ich es nicht für verwerflich, auch Argumente der Sprache einzubringen (solange dies nicht zusammenhanglos und/oder beleidigend geschieht).


    Stimme ich auch zu.

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  • Zitat von [fl]Quel`Tos;513416

    Ich will jetzt wirklich keine Haare spalten, aber all die 'ß' statt der 'ss' waren doch wohl keine Unachtsamkeit.
    Ich will ja auch überhaupt nicht sagen, dass die node nicht fälschlicherweise die mittlerweile in die Jahre gekommene alte Schreibweise verwenden darf, ganz im Gegenteil. Aber auf Einhaltung geltender Rechtschreibregeln zu pochen und dann aber scheinbar willentlich eine nicht mehr gültige Schreibung zu verwenden macht auf mich irgendwie den Eindruck, als wolle mir irgendetwas in der Posterin sagen, dass es gute und böse Abweichungen der Rechtschreibnorm gibt und die Festlegung wird halt nach eigenem Empfinden gemacht.


    Ich muß(ss) dich enttäuschen, das war wirklich ein Flüchtigkeits-/Gewohnheitsfehler ohne verschwörerische Hintergedanken ;)

    Du kannst dich gern an den zwei Fehlern aufhängen, das zeigt aber, daß du den Sinn meines Postings nicht verstanden hast: Es geht nicht um die Rechtschreibung an sich, sondern um sinnverfremdende Eigeninterpretationen. Ich hab mir erlaubt zu bemerken, daß, wenn jemand sich einbildet, anstatt "grün" "rot" zu sagen, er das gern tun kann, allerdings wird der Gesprächspartner ohne vorige Erklärung davon ausgehen, daß "rot" gemeint ist. War das jetzt verständlicher?

    Hat keine Kritik sein sollen, sondern eher eine konstruktive Anregung, die Sprache rationeller zu verwenden.

    ---Solltest du wieder Fehler finden, kannst du sie gerne behalten. :devil:

  • ich finde es interessant, dass sich gerade unter informatikerInnen so viele über das binnen-i aufregen, wo wir doch eine bevölkerungsgruppe sind, welche die deutsche sprache stark mit englischen wörtern und deren absurden eingedeutschten abwandlungen ("upgedated") anreichert.

    meine frage an alle, die dem binnen-i kritisch gegenüberstehen: geht es euch wirklich um den "verfall" der deutschen sprache oder seid ihr gegen den einfluss des feminismus auf die sprache?

    abgesehen davon bin ich der meinung, dass sich die schreibweise des binnen-i ("binnenmajuskel") früher oder später ganz unabhängig von der gender-debatte in weiten teilen unserer sprache ausbreiten wird, da dies derzeit u. a. durch die werbebranche gefördert wird [1]. das binnen-i ist auch eine technisch relativ "billige" schreibweise, etwa im gegensatz zu hochgestellten buchstaben für weibliche formen von akademischen graden.

    lg,
    michi

    [1] http://de.wikipedia.org/wiki/Binnenmajuskel

  • meine frage an alle, die dem binnen-i kritisch gegenüberstehen: geht es euch wirklich um den "verfall" der deutschen sprache oder seid ihr gegen den einfluss des feminismus auf die sprache?


    hauptgrund warums mich stört: es wird unlesbar.

  • Nein, Verfall der deutschen Sprache ist nicht so der Punkt - auch wenn es mich tatsächlich etwas nervt, wenn Leute dauernd englische Ausdrücke einbauen - ausgenommen natürlich Technik etc.
    Durch diese Änderung wird der Text allerdings unlesbarer. Ein einfaches In stört nicht, aber immer wieder stolpere ich über Beispiele, wo man im Satz hängen bleibt wegen dem Blödsinn. Und ich sehe einfach keine Vorteile dadurch. Für mich bezeichnet der Plural beide Geschlechter und im Bekanntenkreis sehen eigentlich alle beide Geschlechter als gleichberechtigt an.
    Ich kann mir nicht vorstellen, dass für irgendjemand diese Sprachverstümmelung die Einstellung ändert.

  • meine frage an alle, die dem binnen-i kritisch gegenüberstehen: geht es euch wirklich um den "verfall" der deutschen sprache oder seid ihr gegen den einfluss des feminismus auf die sprache?


    Weder noch. Es geht einfach darum, dass Sätze wie "Als UserIn der/die die BenutzerInnenoberfläche verwendet hat, kann man/frau/mensch/tier/hundehaufen keine gute Meinung darüber haben." einfach unlesbar sind.

    Aus 100% Apfelsaftkonzentrat. Kann Spuren von Nüssen enthalten.


  • meine frage an alle, die dem binnen-i kritisch gegenüberstehen: geht es euch wirklich um den "verfall" der deutschen sprache oder seid ihr gegen den einfluss des feminismus auf die sprache?

    Nein, es geht mir in diesem Fall tatsächlich um die Lesbarkeit. Würde nur mehr die weibliche Form generisch verwendet werden, wär mir das egal. Dann könnte sich auch Klausi ohne vorherige Abklärung auf seine Weise sprachlich ausleben ;). Es bedarf nur einer einverständlichen, verbindlichen Definition dafür, dann hätt ich kein Problem damit. Schließlich definiere ich mein Selbstverständnis und -bewußtsein nicht -wie offensichtlich doch einige- über die Sprache.

    Allerdings kann man sich dann ziemlich sicher sein, daß bald die ersten Feministinnen "Diskriminierung" schreien werden, weils dann ja für die Frauen keine explizit eigene Form mehr gibt...

  • ich finde es interessant, dass sich gerade unter informatikerInnen so viele über das binnen-i aufregen, wo wir doch eine bevölkerungsgruppe sind, welche die deutsche sprache stark mit englischen wörtern und deren absurden eingedeutschten abwandlungen ("upgedated") anreichert.

    Abgesehen von der Geschichte mit der Lesbarkeit, du musst unterscheiden zwischen Umgangssprache und Schriftsprache. In der Umgangssprache verwende ich auch oft erst kürzlich eingedeutschte Wörter wie "downgeloadet" oder "upgegradet", aber in der Schriftsprache mach ich zumindest das niemals, da verwende ich "heruntergeladen" und "eine neue Version eingespielt" (oder "eingepflegt", wies jetzt so modern wird). Wie ich beim Windows Update das "downgeloadet" gesehen hab, hat mir das richtig weh getan. Ist auch bisher das einzige mit bekannte schriftliche Vorkommen davon.

    Beim Binnen-I ist es umgekehrt, niemand verwendet es in der Umgangssprache, aber manche bestehen dort, wo man eigentlich Hochdeutsch verwenden sollte, darauf. Das macht keinen Sinn.

    [font=verdana,sans-serif]"An über-programmer is likely to be someone who stares quietly into space and then says 'Hmm. I think I've seen something like this before.'" -- John D. Cock[/font]

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  • Weder noch. Es geht einfach darum, dass Sätze wie "Als UserIn der/die die BenutzerInnenoberfläche verwendet hat, kann man/frau/mensch/tier/hundehaufen keine gute Meinung darüber haben." einfach unlesbar sind.

    hier stimme ich zu. allerdings ist das ein extrembeispiel (nur 1 person gemeint), zusätzlich vermischt mit anderen umstrittenen schreibweisen wie der verwendung von "mensch" statt "man". ich glaube auch nicht, dass es notwendig ist, benutzerInnenoberfläche zu schreiben, was soll das bringen? ich bin sicher nicht dafür, an jeder nur möglichen stelle das binnen-i einzusetzen. leute, die das tun, würde ich als radikal bezeichnen.

    "Wir sind den SchülerInnen der Schule X zu großem Dank verpflichtet" wird zB gelesen als "Wir sind den Schülerinnen und Schülern der Schule X zu großem Dank verpflichtet". Wenn man den Text für sich liest, kann man auch nach einer kurzen Pause das "Innen" betonen, um den Unterschied hervorzuheben. Der Satz wird also ohne die anderen Spielereien im Beispiel von Apfelsaft, IMO nicht wirklich unlesbarer. ich finde SchülerInnen auch viel besser als die beiden regelkonformen schreibweisen Schüler/-innen und Schüler(innen) - wo ist dort die lesbarkeit?

    hal: du hast natürlich nicht ganz unrecht. ich glaube allerdings nicht, dass es ein problem ist, in der formalen sprache das binnen-i zu verwenden. auch diese verändert sich mit der gesellschaft, und umgekehrt. gerade in der formalen sprache macht es mMn mehr sinn als in der umgangssprache, und wie soll man die umgangssprache auch beeinflussen?

    lg,
    michi

  • ich glaube auch nicht, dass es notwendig ist, benutzerInnenoberfläche zu schreiben, was soll das bringen? ich bin sicher nicht dafür, an jeder nur möglichen stelle das binnen-i einzusetzen. leute, die das tun, würde ich als radikal bezeichnen.


    Dein Wort in des Standards Ohr:

    Zitat

    Das Windows-Tool verfügt über eine chinesische BenutzerInnenoberfläche und sucht mit der Google-Suchmaschine nach verwundbaren Servern.

    http://derstandard.at/?url=/?id=3306164
    Vielleicht wussten sie auch einfach nicht so recht ob es sich nun um eine Innen- oder Ober- Fläche handelt :ausheck:

    Zitat

    "Wir sind den SchülerInnen der Schule X zu großem Dank verpflichtet" wird zB gelesen als "Wir sind den Schülerinnen und Schülern der Schule X zu großem Dank verpflichtet". Wenn man den Text für sich liest, kann man auch nach einer kurzen Pause das "Innen" betonen, um den Unterschied hervorzuheben.

    Würde hier dennoch die zweite Schreibweise dem Innen vorziehen.

    Aus 100% Apfelsaftkonzentrat. Kann Spuren von Nüssen enthalten.

  • ich finde es interessant, dass sich gerade unter informatikerInnen so viele über das binnen-i aufregen, wo wir doch eine bevölkerungsgruppe sind, welche die deutsche sprache stark mit englischen wörtern und deren absurden eingedeutschten abwandlungen ("upgedated") anreichert.

    meine frage an alle, die dem binnen-i kritisch gegenüberstehen: geht es euch wirklich um den "verfall" der deutschen sprache oder seid ihr gegen den einfluss des feminismus auf die sprache?

    Nein. Ich bin Binnen-I gegner, weil es komplett kontraproduktiv ist.
    Es geht nämlich genau gegen den Trend der Geschlechtsneutralisation, den es in allen Germanischen Sprachen gibt.

    Siehe Englisch - wo das grammatikalische geschlecht nur mehr im pronomen besteht.

    Siehe Skandinavische Sprachen, wo es zwar geschlechtsspezigische Artikel gibt, diese aber frei ausgetauscht werden können.

    Und in Deutsch gibts/gabs diesen Trend even auch. Siehe Norddeutsch - wo "der" und "die" beide zu "de" zusammengefallen sind.

    Es wird komplett gegen den Strom geschwommen, in dem die "sexistische Natur" der Deutschen Sprache fett unterstrichen würde, wenn sie - auf sich selbst gelassen - bald sterben würde, wie sie das im Englishen tat. Jemals das wort "teachress" gehört?

    Ich hab eine zeitlang in Finnland gelebt, und kann Finnisch zu einem gewissen grad (keine Germanische Sprache, Uralische Sprache und mit Deutsch überhaupt nicht verwandt) .. Finnisch ist eine Sprache ohne jegliches Grammatikalisches Geschlecht. Man KANN aus einem generischen Agenswort mit einem Suffix eine eindeutig feminine Person machen. Das gilt aber dort als sexistisch.

    Der Finnische Sprachfeminismus ist mir aus vielen gründen geheurer. Vorallem ist er auch nicht zum scheitern verurteilt, wie es solche Maßnahmen wie das Binnen-I sind, weil er mit dem natürlichen Sprachfluss geht - nämlich den zur größtmöglichen Faulheit.

    Sprachen streben dazu, effizient zu sein, und sowenig unnötige Morpheme wie möglich zu haben. Das Binnen-I hat nie eine Chance gehabt.

  • Nein. Ich bin Binnen-I gegner, weil es komplett kontraproduktiv ist.
    Es geht nämlich genau gegen den Trend der Geschlechtsneutralisation, den es in allen Germanischen Sprachen gibt.

    dann bist du aber nicht nur gegner des binnen-i, sondern auch der "offiziellen" deutschen rechtschreibung mit ihren beiden korrekten schreibweisen /-innen und (innen), oder?

    Zitat

    Siehe Englisch - wo das grammatikalische geschlecht nur mehr im pronomen besteht.

    im englischen besteht IMO in einem sehr viel geringerem maße als in der deutschen sprache die wahrscheinlichkeit, bei einem wort wie 'teacher' automatisch an einen mann zu denken.

    Zitat

    [...]Und in Deutsch gibts/gabs diesen Trend even auch. Siehe Norddeutsch - wo "der" und "die" beide zu "de" zusammengefallen sind.

    ich bin nicht sicher, ob das vergleichbar ist.

    Zitat

    Es wird komplett gegen den Strom geschwommen, in dem die "sexistische Natur" der Deutschen Sprache fett unterstrichen würde, wenn sie - auf sich selbst gelassen - bald sterben würde, wie sie das im Englishen tat. Jemals das wort "teachress" gehört?

    ich bin kein sprachwissenschafter, daher kann ich zu deiner these schwer etwas sagen. mir scheint aber, du machst das binnen-i, das ja nur eine zusätzliche, elegantere lösung ist, als bereits in der quasi offiziellen sprachnorm akzeptierte schreibweisen, verantwortlich für die überlegungen, die zu diesen schreibweisen geführt haben.

    außerdem hast du hier das grundproblem der debatte um feministische linguistik angeschnitten (wenn ich das so vereinfachen darf): hat die sprache mehr auswirkung auf die gesellschaft oder ist es eher umgekehrt?

    Zitat

    [...]Der Finnische Sprachfeminismus ist mir aus vielen gründen geheurer. Vorallem ist er auch nicht zum scheitern verurteilt, wie es solche Maßnahmen wie das Binnen-I sind, weil er mit dem natürlichen Sprachfluss
    geht - nämlich den zur größtmöglichen Faulheit.

    wenn du die finnische sprache mit der deutschen vergleichst, musst du auch die gesellschaft hier und dort vergleichen.

    wobei wir mit der "faulheit" wieder bei formaler und umgangssprache wären: in formaler sprache kannst du doch nicht ernsthaft vom sprachfluss zur größtmöglichen faulheit sprechen?

    Zitat

    Sprachen streben dazu, effizient zu sein, und sowenig unnötige Morpheme wie möglich zu haben. Das Binnen-I hat nie eine Chance gehabt.

    wenn es nie eine chance hatte, wieso breitet es sich dann immer mehr aus? :)

    jetzt habe ich wieder viel geschrieben. langer rede kurzer sinn: ich finde, man sollte die grundfrage (möchte ich versuchen, explizit auch frauen zu erwähnen, weil ich glaube, dass sich das auf die gesellschaft auswirkt) von der technischen detailfrage (wie soll ich denn beide geschlechter am besten hinschreiben) trennen. bei der detailfrage bin ich ziemlich sicher, dass das binnen-i die beste lösung ist, ob das ganze generell sinnvoll ist, darüber sind sich ja ASFAIK nicht einmal sprachwissenschaft betreibende ;) einig.

    lg,
    michi

  • dann bist du aber nicht nur gegner des binnen-i, sondern auch der "offiziellen" deutschen rechtschreibung mit ihren beiden korrekten schreibweisen /-innen und (innen), oder?

    Ich bin dagegen, dass krampfhaft behauptet wird, dass weibliche personen sofort ausgeschlossen sind, wenn kein "-innen" dabeisteht. Das entspricht einfach nicht der Sprachverwendung. Zum Beispiel:

    "Peter war der beste Schüler"

    "Susi war die beste Schülerin"

    Wer denkt da bitte automatisch, dass damit jeweils nur männliche und weibliche Personen gemeint sind?

    Zitat

    im englischen besteht IMO in einem sehr viel geringerem maße als in der deutschen sprache die wahrscheinlichkeit, bei einem wort wie 'teacher' automatisch an einen mann zu denken.

    Eben. Weil im Englischen der Sprachwandel wesentlich schneller war als im Deutschen - war immer so, und wird auch immer so sein. Sprachgeschichtlich ist Deutsch sie weitaus konservativere Sprache, und braucht oft Jahrhunderte mehr für die selben Trends. Aber um es sich gut zu veranschaulichen, kann man sich ja die Trends im Norddeutschen anschauen - die genau in richtung English gehen. "der" und "die" sind beide zu "de" geworden. Von dort ist es nimmer weit zu "the". :D

    Wenn du dir Texte von Chaucer oder so durchliest, wirst du merken, dass es vor einigen Jahrhunderten im Englischen sehr wohl eine Trennung zwischen solchen Begriffen gab. Somit ist es sehr wohl vergleichbar, weil im Englischen das grammatikalische Geschlecht hier sehr wohl mit der Zeit einfach weggestorben ist .. und im Deutschen Sprachraum jetzt genau gegen diesen sehr schönen Trend, im Namen des Feminismuses, dagegengerudert wird.

    Weil eben diese Entwicklungen im Deutschen kommen - vorallem jetzt, wo keine Sprache größeren Einfluss auf das Deutsche hat wie das Englische.

    (Bruchstücke vom alten System gibts im modernen Englisch nochimmer - master vs. mistress, actor vs. actress)

    Zitat
    Zitat
    Zitat


    ich bin kein sprachwissenschafter, daher kann ich zu deiner these schwer etwas sagen. mir scheint aber, du machst das binnen-i, das ja nur eine zusätzliche, elegantere lösung ist, als bereits in der quasi offiziellen sprachnorm akzeptierte schreibweisen, verantwortlich für die überlegungen, die zu diesen schreibweisen geführt haben.

    Verstehe nicht, was du damit meinst. Aber ich lehne generell Schreibweisen ab, die ganz geziehlt gegen den aktiven Sprachgebrauch gehen. Elegant ist an einer Schreibweise, die komplett gegen die Art und Weise, wie Menschen eine Sprache verwenden, meiner Meinung nach nichts.


    Zitat

    außerdem hast du hier das grundproblem der debatte um feministische linguistik angeschnitten (wenn ich das so vereinfachen darf): hat die sprache mehr auswirkung auf die gesellschaft oder ist es eher umgekehrt?

    Der Einfluss von Sprachen auf die Gesellschaft wird meistens überschätzt. Es gibt ja so schöne Theorien, dass Völker, deren Sprachen kein grammatikalisches Geschlecht haben, weniger sexistisch sind.

    Ist aber reiner Blödsinn. Siehe China - eine zutiefst patriarische Kultur, in der es in der Sprache kein grammatikalisches Geschlecht gibt.

    Die größte Gehaltsschere zwischen Männern und Frauen in der EU gibt es in Estland - eines von drei Ländern in der EU, welches eine Finno-Ugrische Sprache als Staatssprache hat - eine Sprache, in der es kein grammatikalisches Geschlecht gibt.

    Im Russischen gibt es keine Wörter für "haben" und "besitzen". Man kann auf Russisch nicht sagen, dass man kein Auto hat. Man sagt stattdessen .. "Bei mir ist kein Auto", oder "bei mir ist ein Auto". Haben Russen dadurch ein anderes Verhältnis zu persönlichem Besitz wie Österreicher? Ganz bestimmt nicht.

    Gesellschaften beeinflussen sehr wohl Sprachen. Aber nur halbsoviel, wie es die menschliche Faulheit tut. Künstliche Wortendungen, die fürst Verständnis nicht notwendig sind, werden historisch generell abgelehnt und gehen verloren. Dadurch hat das Binnen-I keine Chance, weil seine Funktion einfach durch den Kontext überflüssig ist. Obs jetzt sexistisch ist oder nicht, wenn wer sagt .. "die Frau Schmidt ist unser neuer Mathelehrer" .. es wird jeder wissen, worum es geht.

    Zitat
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    wenn du die finnische sprache mit der deutschen vergleichst, musst du auch die gesellschaft hier und dort vergleichen.

    Gerne. Finnland ist eine wesentlich emanzipiertere Gesellschaft als sie Österreich ist.

    Estland, wiederrum, sprachlich so nah am Finnischen wie das Holländische am Deutschen, mit genau der selben Einstellung zum Geschlecht in der Sprache, ist in der EU am ganz anderen Ende des Spektrums in Sachen Emanzipation.

    Zitat

    wobei wir mit der "faulheit" wieder bei formaler und umgangssprache wären: in formaler sprache kannst du doch nicht ernsthaft vom sprachfluss zur größtmöglichen faulheit sprechen?

    Ja. Du musst dir nur irgendwelche englischsprachigen Foren anschauen.

    Zitat

    wenn es nie eine chance hatte, wieso breitet es sich dann immer mehr aus? :)

    Es breitet sich aus? Das wäre mir neu. Vor 5 Jahren hab ich es noch überall gesehen. Heutzutage seh ich es nurmehr auf derstandard.at

  • Die deutsche Sprache ist jetzt hunderte von Jahren ohne dieser positiven Diskreminierung (auch Emanzipation bei vielen genannt) ausgekommen, warum darf sie nicht weiterhin eine stilvolle und schöne Sprache sein? Stellt auch mal vor einen Goethe mit binnen-i zu lesen O_O grauenhaft... Aber unsere Klasse haben wir wohl mit dem 2. WK verloren...

    Ich hab noch gerade den Artikel von der standard gelesen... so stell ich mir immer die Pseudophilosophen, die mal gehört haben "aha, Sprache entwickelt sich, kein abgeschlossenes System, aha" und sich so halbherzig ALLES argumentieren. *seufz*

    edit: Aja bzgl Einfluss der Sprache: Seit dem linguistic turn sind plötzlich ja alle Leute draufgekommen, dass die Sprache unheimlich wichtig sei und gleichzeitig unsere Intelligenz darstelle. Das mag im Grunde genommen sogar stimmen, aber der Punkt ist, dass sich das bewusste Verändern der Sprache keine Auswirkung auf unsere Intelligenz hat ;)

    There's a place in the dark where the animals go
    you can take off your skin in the cannibal glow
    Juliet loves a beat and the lust it commands
    drop the dagger and lather the blood on your hands - Romeo

  • Zitat

    Eben. Weil im Englischen der Sprachwandel wesentlich schneller war als im Deutschen - war immer so, und wird auch immer so sein. Sprachgeschichtlich ist Deutsch sie weitaus konservativere Sprache, und braucht oft Jahrhunderte mehr für die selben Trends. Aber um es sich gut zu veranschaulichen, kann man sich ja die Trends im Norddeutschen anschauen - die genau in richtung English gehen. "der" und "die" sind beide zu "de" geworden. Von dort ist es nimmer weit zu "the". :D

    und das findest du gut? sollen alle "unnötigen" konstrukte aus sprachen verschwinden, nur damit es einfacher wird? es hat schon vor 2000 jahren zb im lateinischen die formale sprache und eine einfache, "faule" umgangssprache gegeben. ich finde nicht, dass das geschlecht aus der deutschen sprache verschwinden sollte, auch wenn sie dann leichter erlernbar wäre.

    Zitat

    Weil eben diese Entwicklungen im Deutschen kommen - vorallem jetzt, wo keine Sprache größeren Einfluss auf das Deutsche hat wie das Englische.

    (Bruchstücke vom alten System gibts im modernen Englisch nochimmer - master vs. mistress, actor vs. actress)

    wie lange schätzt du die dauer des natürlichen wandels der deutschen sprache ein, bis die männliche form automatisch als generische form verstanden wird?

    Zitat

    Verstehe nicht, was du damit meinst. Aber ich lehne generell Schreibweisen ab, die ganz geziehlt gegen den aktiven Sprachgebrauch gehen. Elegant ist an einer Schreibweise, die komplett gegen die Art und Weise, wie Menschen eine Sprache verwenden, meiner Meinung nach nichts.

    elegant im vergleich zu den beiden "offiziellen" schreibweisen meinte ich. dass es kürzer ist, einfach nur die männliche form zu schreiben, ist mir bewusst. ich meinte: wenn man beide geschlechter erwähnen will, dann bitte mit binnen-i.

    Zitat

    Im Russischen gibt es keine Wörter für "haben" und "besitzen". Man kann auf Russisch nicht sagen, dass man kein Auto hat. Man sagt stattdessen .. "Bei mir ist kein Auto", oder "bei mir ist ein Auto". Haben Russen dadurch ein anderes Verhältnis zu persönlichem Besitz wie Österreicher? Ganz bestimmt nicht.

    das (vielleicht) nicht, wenn man aber im russischen von nun an "ich habe ein auto" sagte, würde das gefühl des besitzens durch die änderung zu einer stärker besitzbezogenen schreibweise (nicht durch die neue schreibweise selbst) möglicherweise verstärkt.

    Zitat

    Gesellschaften beeinflussen sehr wohl Sprachen. Aber nur halbsoviel, wie es die menschliche Faulheit tut. Künstliche Wortendungen, die fürst Verständnis nicht notwendig sind, werden historisch generell abgelehnt und gehen verloren. Dadurch hat das Binnen-I keine Chance, weil seine Funktion einfach durch den Kontext überflüssig ist. Obs jetzt sexistisch ist oder nicht, wenn wer sagt .. "die Frau Schmidt ist unser neuer Mathelehrer" .. es wird jeder wissen, worum es geht.

    soweit wir über umgangssprache sprechen, stimme ich dir zu, wozu braucht man dort auch ein binnen-i? wenn ich aber ein buch, einen wissenschaftlichen text oder zeitungsartikel verfasse, kann ich nicht die faulheit aus mir sprechen lassen, sondern muss mir mühe geben, zb entgegen meiner sonstigen bequemlichkeit alle nomen groß zu schreiben, beistriche an den passenden stellen zu setzen etc. etc.

    Zitat

    Gerne. Finnland ist eine wesentlich emanzipiertere Gesellschaft als sie Österreich ist.

    eben. dort sind solche maßnahmen vermutlich nicht sinnvoll.

    Zitat

    Ja. Du musst dir nur irgendwelche englischsprachigen Foren anschauen.

    foreneinträge sind formale sprache?

  • wie lange schätzt du die dauer des natürlichen wandels der deutschen sprache ein, bis die männliche form automatisch als generische form verstanden wird?


    Mu. Das maskuline Genus (männlich? wasn das?) ist generisch, und es sind nur Leute wie du, die versuchen, uns einzureden, daß es nicht so sei.

    Aber mit einer einfachen Schulreform kann man diese Art von Missverständnis in schätzomativ 20 Jahren weitgehend beheben. Statt der komischen deutschen Begriffe für die Genera braucht man ihnen einfach nur irgendwelche abstrakten Bezeichner zu geben, die nicht suggerieren, daß Morphologie was mit Semantik zu tun hat. Dann wären die "Linguisten", die selbst das nicht verstehen, nicht mehr so dazu verleitet zu glauben, daß das Genus A einen Schwanz hat.

    *plantsch*

  • und das findest du gut? sollen alle "unnötigen" konstrukte aus sprachen verschwinden, nur damit es einfacher wird?

    Ob ichs gut find oder nicht ist ziemlich wurscht. Sie verschwinden von selbst. Wie der Standardartikel schon sagt .. Sprachen sind tatsächlich keine abgeschlossenen Systeme. Sie haben sich immer verändert, und werden es auch in Zukunft tun.

    Natürliche Sprachentwicklung ist mir wesentlich lieber als hässliche diktierte Sprachentwicklung mit politischer Motivation - vorallem wenn die natürliche Sprachentwicklung mehr im Sinne der Ziele der diktierten Sprachentwicklung ist wie die künstliche.

    Zitat

    es hat schon vor 2000 jahren zb im lateinischen die formale sprache und eine einfache, "faule" umgangssprache gegeben. ich finde nicht, dass das geschlecht aus der deutschen sprache verschwinden sollte, auch wenn sie dann leichter erlernbar wäre.

    Latein als formale Sprache ist durch andere formale Sprachen ersetzt worden, die auf diese "faule" Umgangssprachen basieren - Italienisch, Französisch, Spanisch, Rumänisch, et cetera.

    Jede Generation denkt immer, dass die Sprache unter ihr "gerade richtig" ist. Engländern aus dem 13. Jahrhundert würde es auch grauen zu wissen, dass es heute kein "teachress" mehr gibt.

    Ich bin ja auch nicht dafür, zwanghaftig das Geschlecht aus der Sprache zu entfernen. Ich bin nur dagegen, zwanghaftig das Geschlecht in die Sprache reinzuzwängen, wenn es einfach nicht notwendig ist.


    Linguistische Realität im Deutschen ist - das generische maskulin und das generische Feminin (! - die Person, die Katze, die Gans) sind für alle ganz klar verständlich. Linguistische Zukunft ist dass alles generisch werden wird. Das Binnen-I hat sowohl pragmatisch, als auch ideologisch, damit verloren.

    Zitat

    wie lange schätzt du die dauer des natürlichen wandels der deutschen sprache ein, bis die männliche form automatisch als generische form verstanden wird?

    Schwer zu sagen. Kommt auf Soziopolitik an, und darauf, ob Englisch die Hauptkontaktsprache bleibt.

    Zitat

    das (vielleicht) nicht, wenn man aber im russischen von nun an "ich habe ein auto" sagte, würde das gefühl des besitzens durch die änderung zu einer stärker besitzbezogenen schreibweise (nicht durch die neue schreibweise selbst) möglicherweise verstärkt.

    Das stimmt. Gibt es auch tatsächlich - Männer die mit neolingismen behaupten, ein Auto, eine Frau und zwei Kinder zu besitzen.

    Noch ein Grund warum es eine schlechte Idee ist, sich gegen generische Formen im Deutschen zu wehren. Ohne diesen Binnen-I Blödsinn der letzten zwei Jahrzehnte würd niemand darauf kommen, dass bei "allen Verwandten" nicht die weiblichen gemeint sind.

    Zitat

    soweit wir über umgangssprache sprechen, stimme ich dir zu, wozu braucht man dort auch ein binnen-i? wenn ich aber ein buch, einen wissenschaftlichen text oder zeitungsartikel verfasse, kann ich nicht die faulheit aus mir sprechen lassen, sondern muss mir mühe geben, zb entgegen meiner sonstigen bequemlichkeit alle nomen groß zu schreiben, beistriche an den passenden stellen zu setzen etc. etc.

    Das ist eine frage der Zeit. "it's" und "isn't" waren vor 50 Jahren in wissenschaftlichen Texten absolut unvorstellbar. Heute sind sie .. stilistisch schlecht, aber keine riesigen Probleme. In 50 Jahren werden sie ganz bestimmt Norm sein.

    Aber das hat damit eigentlich nichts zu tun, da der generische Maskulin und der generische Feminin kein Zeichen der Faulheit, sondern die seit Jahrhunderten normale Umgangsform im Deutschen.

    Zitat

    foreneinträge sind formale sprache?

    Sie sind Schriftsprache. Die formale, wissenschafliche Sprache hinkt immer nach, aber wie gesagt .. beispiel Englisch. Umgangssprache von vor 50 Jahren (is not --> isn't, it is --> isn't, whom --> who) ist heute in wissenschaftlichen Text ganz gange.

    Umgangssprache von vor X hundert Jahren (keine du/sie Trennung - jeder ist "you", thou geht verlohren) ist seit X-1 hundert Jahren Formal.

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